Nach fünf Tagen Grabungsarbeiten in Goldbach ist klar: Die Kugelburg war bewohnt!

 

Goldbach 06.08.2018

 

Sie laufen erst seit fünf Tagen: die Ausgrabungen der Kugelburg mitten im Wald auf dem Goldbacher Kugelberg. Und doch haben sie schon Spannendes zu Tage gefördert: Die Kugelburg war nämlich keineswegs unbewohnt, wie es in Goldbachs Chronik steht. Sie war bewohnt und zwar von wohlhabenden Menschen, die vermutlich dem Hochadel angehörten.
 

Drei gro­ße mit Zei­tungs­pa­pier aus­ge­leg­te Obst­s­tei­gen holt Ha­rald Ros­manitz aus dem Bau­wa­gen und stellt sie ne­ben­ein­an­der auf den Tisch ei­ner Bier­zelt­garni­tu­r, die mit­ten im Gold­ba­cher Wald ste­ht. Im In­nern der Stei­gen sta­peln sich Scher­ben. Win­zi­ge bis klei­ne Tei­le, die für den Lai­en ir­gend­wie al­le gleich aus­se­hen.

Für Harald Rosmanitz und seine zwei Mitarbeiter vom Archäologischen Spessartprojekt (ASP) sind es kleine Schätze. Schätze, die Geschichten erzählen und so den Archäologen helfen, Geschichte zu schreiben oder gar umzuschreiben, wie es in Goldbach wohl nötig sein wird.

Denn die Kugelburg war definitiv bewohnt, sagt Rosmanitz und hält zum Beweis ein längliches, etwa fingerdickes Fundstück in die Höhe. »Das ist ein Knochen, ein Rippchen, einer von mehreren Essensresten, die wir hier gefunden haben,« fügt der Fachmann hinzu und wühlt vorsichtig in einer anderen Kiste, bis er das gefunden hat, was er sucht: ein Stück von einer Ofenkachel.

»Niemand hat vor 800 Jahren einen Ofen gebaut, den er nicht beheizen wollte«, sagt der 56-Jährige. Ergo war die Burg bewohnt und zwar dauerhaft, lautet sein Fazit. Und noch etwas lesen er und seine Mitarbeiter aus den kleinen Puzzleteilen, die seit etwa 750 Jahren in der Erde liegen: Die Kugelburger waren nicht arm. Sie leisteten sich sogar das sogenannte Pingsdorfer Luxusgeschirr, zumindest ein Imitat desselben, das in Seligenstadt hergestellt wurde, wie man weiß (siehe Hintergrund).

Aber nicht nur die kleinen Funde am Kugelberg können sich sehen lassen. Zusätzlich zu der Mauer, die bereits ein Laie Ende der 1930 Jahre ausgegraben hat, haben die ASP-Leute, die allein am Montag von 15 ehrenamtlichen Helfern unterstützt wurden, noch weitere bis zu vier Meter hohe Mauern gefunden. Auch eine Mauerecke ist darunter, die zum Palas, dem Wohnturm gehören könnte, meint Rosmanitz.

An einer anderen Stelle, wo Helfer vorsichtig mit Handhacken, Kellen und Pinseln Gestein freilegen, könnte sich eine Toranlage verstecken. Aber das weiß man noch nicht, »ein Stein macht noch keine Mauer«, sagt Rosmanitz.

»Nach fünf Grabungstagen können wir sagen, dass die Anlage etwa 1250 bis 1260 aufgegeben wurde; in manchen Geschichtsbüchern steht 1600, aber das stimmt nicht.« Auch der noch heute im Gelände deutlich erkennbare vorgelagerte Wall spreche für eine mittelalterliche Burg.

Allerdings haben die Archäologen noch etwas anderes Spannendes gefunden: eine vorgeschichtliche Scherbe aus dem 6. oder 7. Jahrhundert. Im Unterschied zu all den anderen Scherben wurde sie nicht auf einer Scheibe getöpfert, sondern per Hand gefertigt. »Bevor wir hier weitere Erkenntnisse ziehen werden, müssen wir schauen, ob wir noch weitere finden«, sagt Rosmanitz.

Noch bis Ende Oktober laufen die Grabungsarbeiten, die die Gemeinde auf Anregung des Geschichts- und Heimatvereins passend zu ihrem 800-jährigen Bestehen in Auftrag gegeben hat. Ziel der Ausgrabungen ist es nicht nur, die Geschichte genauer erzählen zu können, sondern auch das Ausgrabungsgebiet touristisch zu erschließen. »Viele Menschen kommen in dieses Naturschutzreservoir zum Wandern - wir können diesem Ort eine Geschichte geben«, sagt Rosmanitz.

Eines könne man schon jetzt sagen: Für Goldbach sei dies eine sehr spannende Geschichte.

Info: Freiwillige Grabungshelfer sind montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr willkommen, in der Verlängerung der Karl-Matti-Straße den Schildern folgen

Nina-Anna Beckmann
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